Biographie

(Letzte Änderung am 16.09.2022)

Die Anfänge: von den ersten Schritten bis zum Entschluss, mich der Musik zu widmen.

Vincent Thuet, Anfang auf der Querflöte, mit 9 Jahren, 1987

Ich bin 1978 in Mulhouse im Elsass geboren. Meine Eltern, Anne und François, waren beide Laienmusiker und sehr engagiert in Musikvereinen. Als ich 8 war, haben sie mich an der Musikschule eines bescheidenen Musikvereins, wie es damals in jeder Stadt und fast jedem Dorf gab, angemeldet. Das war die Musique Avenir in Mulhouse. So bekam ich den ersten Solfeggio- und Blockflötenunterricht. Nach einem Jahr kam für jeden Schüler die Zeit, sein Instrument zu wählen. Für mich war es die Querflöte. Ich habe nur sehr wenige Erinnerungen aus dieser Zeit, aber eine meiner ersten Solfeggio-Lehrerinnen erzählte mir viele Jahren danach, dass ich unbedingt Querflöte spielen wollte; Querflöte und nichts Anderes...

 

Meine ersten Lehrer waren keine Berufsmusiker. Das war damals noch bei solchen kleinen Musikschulen üblich. In meinem dritten Querflötenjahr, mit meiner dritten Lehrerin, Sandrine Bitonti, wurde es allerdings ernster: Etüden von Gariboldi und Köhler, die Täglichen Übungen von Taffanel und Gaubert waren zum Beispiel im Programm. In diesen Jahren keimte auch in mir die Idee und den Wunsch auf, Musiker zu werden und davon meinen Beruf zu machen. Auch diese Lehrerin war keine Profi-Flötistin, aber ich habe ihr mehr zu verdanken, als den meisten, die ich dann an staatlichen Musikschulen und Konservatorien getroffen habe. Sie hat mich ermutigt und hat sich mehr engagiert, als die meisten von denen. Ich verdanke ihr dazu, dass sie mich nach ein paar Jahren, als sie wahrscheinlich das Gefühl hatte, an ihre Grenzen zu stoßen, zu ihrem eigenen Lehrer geführt hat.

 

So habe ich das Glück gehabt, Schüler von Daniel Morlier (1) zu werden. Er war ein großartiger Flötist und meiner Meinung nach ein seltener Musiker, aber ich bekam leider nicht ein ganzes Jahr Unterricht von ihm, denn ich hatte mich - seinen Rat folgend - gleich am Ende des Schuljahres zur Aufnahmeprüfung für die Staatliche Musikschule in Mulhouse angemeldet und wurde dort aufgenommen. Das ist ein riesiger Fehler gewesen... Diese Entscheidung hat sehr negative Folgen auf meine Entwicklung als Flötist und Musiker gehabt und kostete mir viele kostbare Jahre. In dieser kurzen Zeit bei Herrn Morlier festigte sich in mir aber den Wunsch, mich der Musik zu widmen. Von da an orientierte sich mein Leben an diesem Ziel.

Die Studienjahre: Querflöte oder Fagott?

Ich studierte später bei Georges Alirol (2) an der Staatlichen Musikschule in Evreux, bei Stéphane Réty in Mulhouse, und am Konservatorium in Strasbourg in der Klasse von Sandrine François, wo ich 2002 das Diplom für Querflöte einstimmig und 2003 den 1. Preis einstimmig und mit Auszeichnung ("1er Prix de perfectionnement à l'unanimité avec les félicitations du jury") erhielt. 2004 schloss ich mein Querflötenstudium mit dem 1. Preis einstimmig an der Staatlichen Musikschule in Aulnay-sous-Bois in der Klasse von Patrick Gallois ab.

 

Es wurde allerdings kein gerader Weg: Ich wechselte zwischen 1998 und 2005 mehrmals von der Flöte zum Fagott und zurück. So spielte ich in drei Phase von 6 Monaten bis anderthalb Jahren Fagott. Dabei habe ich das Glück, mit Jiri Stavicek (3) in Basel und mit Pascal Gallois in Paris, an der Staatlichen Musikschule in Gennevilliers (1. Preis in 2000) und der Hochschule für Musik in Zürich zu studieren. Es ist ein Instrument, das ich immer sehr gemocht habe - schon als Kind -, und da ich mit 18 Jahren und mit dem ganzen musikalischen Hintergrund angefangen habe, machte ich natürlich rasante Fortschritte. Es schien, ich war für dieses Instrument ziemlich begabt und ich durfte dabei große Erfolge erwarten... jedes Mal aber fehlte mir die Querflöte und ich kehrte bald zurück zu ihr. Ich musste feststellen, ich bin einfach Flötist!

Der Einstieg in den Berufsleben

Als ich noch Schüler am Conservatoire in Mulhouse war, fragte mich die Leiterin einer kleinen Musikschule, ob ich die Schüler dort übernehmen könnte. Nach kurzer Überlegung nahm ich das Angebot mit großem Interesse, Neugier und ein bisschen Stolz an. So gab ich mit sechzehn Jahren die ersten Unterrichtsstunden. Ich entschloss mich aber bald, nach einem erfahrenen Vertreter zu suchen, und übergab ihm diese Verantwortung. Ich war noch zu jung, fühlte mich nicht bereit, obwohl ich natürlich viel weiter fortgeschritten war, als meine Schüler. Ich hielt den Musikerberuf damals schon für eine sehr ernste Sache und fühlte mich einfach nicht reif genug, um Anderen zu unterrichten.

Vincent Thuet, in der Zeit des Endes meines Studiums und der ersten Konzerte als Profi, ca. 2002

Erst ein paar Jahre später fing ich wieder an und ich gab ab 2001 Unterricht an mehreren Musikschulen im Elsass.

 

Ab 2002 spielte ich auch mit verschiedenen Orchestern und Ensembles wie dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dem Orchestre Symphonique de Mulhouse und dem Ensemble Accroche Note. 

Die Wettbewerbe... und "die heftigste Prüfung"

In 2006 und 2008 gewann ich bei den Flötenwettbewerben "UFAM" und "Allain Cadinot / Yamaha Musique France" in Paris  jeweils den 1. Preis einstimmig.

 

Nach diesen noch bescheidenen aber ermutigenden Erfolgen bereitete ich mich auf den ersten großen internationalen Wettbewerb, als ich anfing, das war im Sommer 2008, an einer fokalen Dystonie (4) zu leiden. Diese Bewegungsstörung, die in meinem Fall die Finger der linken Hand betraf, zwang mich auf einmal dazu, meine Konzerttätigkeit ganz einzustellen.

 

In der schlimmsten Phase - zwischen September 2008 und Mai 2009 - konnte ich überhaupt nicht mehr spielen; nicht mal das, was Anfänger in den ersten Monaten spielen... Mein Zustand verbesserte sich dann sehr langsam. So durfte ich im Dezember 2009 zum ersten Mal wieder an einem sehr bescheidenen Konzert teilnehmen, aber mein Repertoire beschränkte sich in dieser Zeit auf nur ein paar kurze Stücke oder Sätze aus größeren Werken. Als ich 3 Jahre später die ersten Recitals wieder gab, konnte ich immer noch nur ausgewählte Werke aus der Barock und dazu ein paar modernere aber ziemlich einfache Stücke spielen. Nach und nach wurde ich wieder fähig, anspruchsvollere Werke aufzuführen. Erst ab 2016 aber konnte ich auch virtuose Stücke und ein breites Repertoire endlich wieder spielen, was eine fast normale Konzerttätigkeit wieder ermöglichte.

Das Unterrichten

Als ich Schüler und dann Student war, hatte ich einfach den Ehrgeiz, einen guten und hoffentlich sogar einen exzellenten Flötist und Musiker zu werden. Ich hielt es für einen Musiker für eine Notwendigkeit und eine Pflicht, seine Liebe für die Musik, seine Begeisterung und seine Erfahrung mit den jüngeren (und auch den älteren) Schülern zu teilen, und denen zu helfen, sich weiter zu entwickeln. Ich hatte aber nicht vor, hauptsächlich als Lehrer tätig zu sein, und auch nicht bloß, wirklich viele Schüler zu unterrichten. Das Interesse fürs Unterrichten wuchs aber mit der Praxis. Mit den Jahren habe ich festgestellt und besser verstanden, wie wichtig für die Schüler der Unterricht bei einem guten Lehrer sein und was alles es dem Menschen (eigentlich dem Schüler und dem Lehrer zugleich) geben könnte. So wurde das Unterrichten im Laufen der Jahre nicht nur ein wichtiger Teil meiner Berufstätigkeit, sondern auch zu einem wesentlichen Teil meines Lebens als Musiker und einfach als Mensch.

Vincent Thuet, Querflötist, die deutschen Jahre, 2010-2018

Nach meinen ersten Jahren in dem Beruf im Elsass in den 2000er,  lebte ich von 2010 bis 2018 in Deutschland. Ich unterrichtete in dieser Zeit in Hannoversch Münden und bis 2019 an der Musi-Kuss Musizierschule in Göttingen.

 

2018 kehrete ich zurück in meine Heimat und ich unterrichte seitdem wieder im Elsass, an der Ecole de Musique du Sundgau und in Kingersheim, dazu in der Schweiz an der Freien Musikschule Basel und der Ecole Française de Bâle.

Fußnoten - Klicken Sie auf das Thema

(1) Daniel Morlier

(2) Georges Alirol

(3) Jiri Stavicek

(4) Dystonie