Biographie

(Letzte Änderung am 23.12.2022)

Die Anfänge: von den ersten Schritten bis zum Entschluss, mich der Musik zu widmen.

Vincent Thuet, Anfang auf der Querflöte, mit 9 Jahren, 1987

Ich bin 1978 in Mulhouse im Elsass geboren. Meine Eltern, Anne und François, waren beide Laienmusiker und sehr engagiert in Musikvereinen. Mit acht Jahren bekam ich an der Musikschule eines solchen Vereins - das war die Musique Avenir in Mulhouse - den ersten Solfeggio- und Blockflöten-unterricht. Nach einem Jahr durfte jeder Schüler sein Instrument wählen. Für mich wurde es die Querflöte. Eine meiner ersten Lehrerinnen erzählte mir viele Jahren danach, dass ich unbedingt Querflöte spielen wollte - Querflöte und nichts Anderes...

 

Meine ersten Lehrer waren Amateure, wie es damals noch bei solchen kleinen Musikschulen üblich war. Im dritten Jahr, mit meiner dritten Lehrerin, Sandrine Bitonti, wurde es allerdings ernster: Etüden von Gariboldi und Köhler, die Täglichen Übungen von Taffanel und Gaubert waren zum Beispiel im Programm. In dieser Zeit keimte auch in mir die Idee und der Wunsch auf, Musiker zu werden und davon meinen Beruf zu machen. Auch diese Lehrerin war keine Profi-Flötistin, sie war noch ziemlich jung und nahm selber noch Unterricht, aber ich habe ihr mehr zu verdanken, als den meisten, die ich dann an staatlichen Musikschulen und Konservatorien getroffen habe. Sie war sehr engagiert, hat mich ermutigt und gefordert, so weit wie sie konnte. Und wenn wir nach ein paar Jahren so weit gekommen sind, dass sie meinen konnte, sie konnte mir nicht weiter helfen, führte sie mich zu ihrem eigenen Lehrer.

 

So habe ich das Glück gehabt, Schüler von Daniel Morlier (1) - ein großartiger Flötist und Musiker - zu werden. Ich bekam leider nur ein Jahr Unterricht von ihm, denn ich hatte mich - seinen Rat folgend - bald in der Staatlichen Musikschule in Mulhouse angemeldet und wurde dort aufgenommen. Das ist ein großer Fehler gewesen. Der Unterricht, den ich dort bekam hat sehr negative Folgen auf meine Entwicklung als Flötist und Musiker gehabt und kostete mir viele kostbare Jahre. In der kurzen Zeit bei Herrn Morlier festigte sich aber in mir der Wunsch, mich der Musik zu widmen. Von da an orientierte sich mein Leben an diesem Ziel.

Die Studienjahre: Querflöte oder Fagott?

Ich studierte später bei Georges Alirol (2) an der Staatlichen Musikschule in Evreux, bei Stéphane Réty in Mulhouse, und am Konservatorium in Strasbourg in der Klasse von Sandrine François, wo ich 2002 das Diplom für Querflöte einstimmig und 2003 den 1. Preis einstimmig und mit Auszeichnung ("1er Accessit [Prix de de perfectionnement] à l'unanimité avec les félicitations du jury") erhielt. 2004 schloss ich mein Querflötenstudium mit dem 1. Preis einstimmig an der Staatlichen Musikschule in Aulnay-sous-Bois in der Klasse von Patrick Gallois ab.

 

Ich habe auch Fagott studiert. So wechselte ich zwischen 1998 und 2005 mehrmals von der Flöte zum Fagott und zurück. Ich habe insgesamt nur dreieinhalb Jahre Fagott gespielt, habe aber dabei das Glück gehabt, mit Jiri Stavicek (3) in Basel und mit Pascal Gallois in Paris, an der Staatlichen Musikschule in Gennevilliers (1. Preis in 2000) und der Hochschule für Musik in Zürich zu studieren. Dieses Instrument habe ich immer sehr gemocht, und da ich mit achtzehn Jahren und dem ganzen musikalischen Hintergrund anfing, machte ich natürlich rasante Fortschritte. Es scheint, ich war für dieses Instrument ziemlich begabt, aber irgendwie fehlte mir immer die Querflöte und ich musste jedes Mal wieder zu ihr zurückkehren. Ich war einfach Flötist!

Der Einstieg in den Berufsleben

Mit sechzehn - ich war noch Schüler am Conservatoire in Mulhouse - wurde ich als Lehrer gefragt. Nach kurzer Überlegung nahm ich das Angebot mit großem Interesse, Neugier und ein bisschen Stolz an. So gab ich meine ersten Unterrichtsstunden, aber ich entschloss mich bald nach einem erfahrenen Vertreter zu suchen und übergab ihm diese Verantwortung. Ich hielt den Musikerberuf damals schon für eine sehr ernste Sache und fühlte mich noch zu jung, einfach nicht reif genug, um Anderen zu unterrichten.

Vincent Thuet, in der Zeit des Endes meines Studiums und der ersten Konzerte als Profi, ca. 2002

Ab 2001 unterrichtete ich wieder, dieses Mal regelmäßig an mehreren Musikschulen im Elsass.

 

Ab 2002 spielte ich auch mit verschiedenen Orchestern und Ensembles wie dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dem Orchestre Symphonique de Mulhouse und dem Ensemble Accroche Note. 

Die Wettbewerbe... und "die heftigste Prüfung"

In 2006 und 2008 gewann ich bei den Flötenwettbewerben "UFAM" und "Allain Cadinot - Yamaha Musique France" in Paris  jeweils den 1. Preis einstimmig.

 

Nach diesen noch bescheidenen aber ermutigenden Erfolgen bereitete ich mich auf den ersten großen internationalen Wettbewerb, als ich im Sommer 2008 anfing, an einer fokalen Dystonie (4) zu leiden. Diese Bewegungsstörung, die in meinem Fall die Finger der linken Hand betraf, zwang mich auf einmal dazu, meine Konzerttätigkeit ganz einzustellen.

 

In der schlimmsten Phase - zwischen September 2008 und Mai 2009 - konnte ich überhaupt nicht mehr spielen; nicht mal Stücke für Anfänger... Mein Zustand verbesserte sich dann nur sehr langsam, aber ich ließ mich nicht entmutigen. Im Dezember 2009 durfte ich zum ersten Mal wieder an einem sehr bescheidenen Konzert teilnehmen. Mein Repertoire beschränkte sich in dieser Zeit auf nur ein paar kurze Stücke oder Sätze aus größeren Werken. Drei Jahre später konnte ich bei den ersten Recitals immer noch nur ausgewählte Werke aus der Barock und dazu ein paar modernere aber ziemlich einfache Stücke spielen. Diese bescheidenen Auftritte erlaubten mir aber, meine Liebe zur Musik und meine Begeisterung für ihre unsägliche Schönheit mit dem Publikum wieder zu teilen. Und meine Beharrlichkeit und die hartnäckige Arbeit wurden belohnt: Ich wurde allmählich wieder fähig, anspruchsvollere Werke aufzuführen. So konnte ich ab 2016 auch virtuose Stücke und ein breites Repertoire endlich wieder spielen, was eine nahezu normale Konzerttätigkeit wieder ermöglichte.

 

Es war eine harte Zeit, aber ich entwickelte durch diese Erfahrung auch eine neue Art, die Musik zu denken, und eine gesündere Beziehung zum Üben, zum Instrument und der Technik, die mir erlauben, meine Grenzen von gestern zu überschreiten und einfach ein besserer Flötist und Musiker zu werden, als ich sonst je gewesen wäre ! Ich kann allerdings sagen, dass ich erst jetzt, am Ende des Jahres 2022, die Dystonie wirklich überwunden habe. Nun ist also die Zeit angebracht, um eine echte Konzerttätigkeit zu entwickeln. Ob es in der Musikwelt und in unserer Gesellschaft einen Platz gibt für einen vierundvierzigjährigen Musiker, der seine Karriere wie von null anfangen muss und will? Das wird sich bald ergeben...

Das Unterrichten

Vincent Thuet, Querflötist, die deutschen Jahre, 2010-2018

Ich lebte von 2010 bis 2018 in Deutschland in Hannoversch Münden, unterrichtete diese Jahre dort und bis 2019 an der Musi-Kuss Musizierschule in Göttingen.

 

2018 kehrte ich nach Frankreich ins Elsass zurück. Ich unterrichte seitdem an der Ecole de Musique du Sundgau und in Kingersheim, dazu in der Schweiz an der Freien Musikschule Basel und der Ecole Française de Bâle.

 

Als ich jung war, hielt ich es für einen echten Musiker für eine Notwendigkeit und eine Pflicht, seine Liebe zur Musik, seine Begeisterung und seine Erfahrung mit Schülern zu teilen und denen zu helfen, sich weiter zu entwickeln. Ich hatte aber nie vor, ausschließlich oder auch nur hauptsächlich als Lehrer tätig zu sein. Das Interesse fürs Unterrichten wuchs allerdings mit der Praxis und ich habe mit den Jahren verstanden, wie wichtig für die Schüler der Unterricht bei einem guten Lehrer sein mag und was Schüler und Lehrer zugleich daran zu gewinnen haben. So wurde das Unterrichten im Laufen der Jahre nicht nur zu einem wichtigen Teil meiner Berufstätigkeit, sondern auch zu einem wesentlichen Teil meines Lebens als Musiker und als Mensch.

Fußnoten - Klicken Sie auf das Thema

(1) Daniel Morlier

(2) Georges Alirol

(3) Jiri Stavicek

(4) Dystonie